Selbstfürsorge

Eine Tasse Tee ist Selbstfürsogre

Selbstfürsorge für Lehrpersonen

Exponiert an einer Nahtstelle

Bildquelle: Pixabay.com
Exponierte Nahtstellen sind vielseitigen Anforderungen und Erwartungen ausgesetzt.

Die aktive Selbstfürsorge hat für Lehrpersonen eine ganz besondere Bedeutung. Denn es geht dabei nicht nur um die Lehrerinnen und Lehrer. Diese befinden sich in ihrem Beruf an einer sehr exponierten Nahtstelle: Am Übergang zwischen dem Schulsystem (mit all seien Ansprüchen), und den Schülern (als Adressaten und Empfänger der Bildungsinhalte).
In dieser Position sind Lehrer vielen verschiedenen Erwartungen ausgesetzt. Wenn sie als Autorität und Vorbild in ihrer Rolle unsicher wirken oder geschwächt sind, dann vermögen sie nicht zu überzeugen und können ihren Auftrag nicht erfüllen.

Die Folgen der Unsicherheit

Dies kann ungünstige Folgen nach sich ziehen: Entweder wird der Lehrer dann einfach nicht mehr ernst genommen, oder er wird an seiner Schwachstelle angegriffen. Für die Betroffenen ist beides sehr belastend. Und je nach Persönlichkeitsstruktur werden sie auf die eine oder auf die andere Weise reagieren: Entweder still einstecken – und sich davon allmählich aufreiben lassen, bis man schließlich daran zugrunde geht, oder aber offensiv reagieren.
Es braucht wenig Vorstellungsvermögen um zu erkennen, dass beide Reaktionsmuster wenig  zielführend sind. Denn wenn die Lehrperson an den Umständen zugrunde geht, dann verlieren auch die Schüler. Und wennsie offensiv oder gar aggressiv reagiert, dann verlieren zuerst die Schüler, und gleich darauf auch die Lehrperson selbst – nämlich das Vertrauen der ihr anvertrauten Schüler, und damit die Grundlage der pädagogischen Beziehung.

In der Ruhe liegt die Kraft

Welcher Weg führt aus dieser Situation? Ein sinnvoller Ausweg besteht darin, schon vorsorglich für gute Bedingungen zu sorgen. Damit meine ich nicht in erster Linie die fachliche Kompetenz, wengleich diese unabdingbar ist. Auch der persönlichen Reife kommt grosse Bedeutung zu. Doch diese Faktoren nehme ich als gegeben an. Zusätzlich geht es insbesondere darum, dass Lehrer sich  in der Schule wohl fühlen. Der Mensch in dieser Funktion sollte in seiner Mitte ruhen.

Nicht umsonst besagt das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraft“. Doch in der Ruhe liegt noch mehr: Die Quelle der Freude, Begeisterungsfähigkeit und Kreativität oder der Gelassenheit und der Zuversicht.
All diese Qualitäten sind von entscheidender Bedeutung für jede Form des Unterrichts, der beiden Seiten, also sowohl den Lehrperson wie den Schülern, in angenehmer Erinnerung bleibt.

Die Stimmung macht die Musik

Ripples (Quelle: Pixabay.com)
Jeder schwingende Kern interagiert mit seiner Umgebung, beeinflusst diese und wird davon beeinflusst.

Ob miesepetrig und genervt oder voller Motivation, Freude und Tatendrang in ihrer Kraft ruhend: Es ist stets die Stimmung der Lehrpersonen, welche das Klima im Klassenraum bestimmt und auf die Schüler überspringt.

Unter solchen Umständen wird eine Lehrperson an einer Herausforderung weder zugrunde gehen, noch muss sie darauf aggressiv re-agieren. In ihrer Mitte und Kraft ruhend kann sie gelassen auf eine Reihe angemessener Werkzeuge zurückgreifen, um ihre Schüler die Erfolge erleben zu lassen, die sie brauchen. Was das für Werkzeuge sein können, ist nicht Thema dieses Beitrags, sondern Thema meines Buches „PosiTeach – Die Vision des Gelingens. Unterricht mit Leichtigkeit„.

Selbstfürsorge

Foto: Frau mit Hut über Gesicht relaxt im Schatten
Regelmässige Entspannung und Ruhe sind essentiell für Wohlbefinden und innere Stabilität.

Damit Lehrerinnen und Lehrer innerlich ausgeglichen bleiben können, ist es unerlässlich, dass sie aktiv für ihr Wohlbefinden sorgen. So könnten sie sich bspw. eine etwas längere Auszeit gönnen, ihre Ferien wirklich als solche respektieren (ohne jede freie Minute für Vorbereitungen nutzen), oder im Alltag Inseln der Ruhe des erfüllenden Ausgleichs schaffen. Auch der kollegiale Austausch oder eine Intervision kann dazu beitragen, zu einer Sache innerlich Distanz zu gewinnen, um manches neu zu sehen und damit besser klar zu  kommen.

Auf jeden Fall beinhaltet die aktive Selbstfürsorge auch, dass sich Lehrerinnen und Lehrer im Bedarfsfall die Hilfe holen, die sie brauchen. Ganz ohne schlechtes Gewissen und ohne zu zögern.

Der Beizug einer professionellen Hilfe, sei es in Form eines Coachings oder einer Supervision, wird leider noch viel zu oft mit Schwäche und Versagen gleichgesetzt. Ein bedauerliches Missverständnis, das leider auch in manchen Schulleitungen noch zu finden ist. Doch diese professionellen Angebote können wertvolle Hilfestellungen bieten bei den zahlreichen anspruchsvollen und komplexen Harausforderungen im Alltag. Lehrerinnen und Lehrer täten gut daran diese zu testen und sie möglichst rege zu beanspruchen. Das ist schliesslich ihr Recht.

Freundliche Erinnerung

Wenn die Schule den Anspruch hat ihre Schüler zu qualifizieren, dann muss sie  dazu die passenden Voraussetzungen schaffen und Bedingungen ermöglichen. So sollte sie beispielsweise dafür sorgen, dass es den Lehrerinnen und Lehrern jederzeit wirklich gut geht. Damit wir uns richtig verstehen, ich rede hier nicht von Lohn und Infrastruktur. Aber statt sie mit immer neuen Anforderungen zu überschütten,  wie wäre es, wenn die Administration und die Schulleitung aktiv dazu beitrügen, den Rücken der Lehrpersonen nicht nur freizuhalten, sondern ihn auch zu stärken?
Die Schulleitung kann ihre Lehrerinnen und Lehrer z.B. regelmässig daran erinnern, dass sie die aktive Selbstfürsorge als ihre vordringliche Aufgabe verstehen sollten. Richtig gelesen, denn ihr Wohlbefinden ist die wichtigste  Voraussetzung für nachhaltig guten, und somit erfolgreichen Unterricht. Wenn dies gewährleistet ist, regelt sich vieles Weitere fast von alleine.

Liebe Lehrerin, lieber Lehrer, Du bist wirklich für dein Wohl selbst verantwortlich. Und Du hast nicht nur einen legitimen Anspruch darauf, dass es dir gut geht, Du kannst das nun auch sachlich begründen. Und falls Du noch nicht so richtig weisst wie, dann lege ich dir diese Lektüre ans Herz: „PosiTeach – Die Vision des Gelingens„.

Wenn dir deine Arbeit heute keine Freude (mehr) bereitet, dann darfst Du dies ruhig als freundliche Erinnerung verstehen: Die aktive Selbstfürsorge ist für dich kein „nice to have“, sondern eine unerlässliche Notwendigkeit, damit Du gute Arbeit leisten, und „Schule gelingen“ kann. Es ist wichtig und absolut richtig, dass es dir dabei gut geht.

Danke für deine Hier-Sein und deine wertvolle Arbeit! Wenn dir dieser Beitrag gefallen hat, dann teile ihn.

(c) Februar 2017
überarbeitet März 2019