Zur Autorität der Lehrperson

Symbolbild Anker: Grossvater mit Enkelkindern

Autorität im Lehrerberuf

Im Buch „PosiTeach – Die Vision des Gelingens“ verwende ich wiederholt den Begriff „Autorität“. Es scheint mir darum angebracht, hier etwas genauer hinzuschauen: Was ist Autorität, was zeichnet sie aus, und was bedeutet dies für Lehrpersonen?

Ganz spontan werden wohl viele der Behauptung beipflichten, eine Autorität sei jemand, dem man zu gehorchen hat. Oder zumindest gehorchen sollte. Also jemand, dem man ein bestimmtes Maß an Achtungentgegenbringt. Mit der Autorität scheint immer auch eine Befehlsgewalt einher zu gehen. Aber wird diese Befehlsgewalt einfach unterstellt, oder wird sie ihr verliehen, und falls ja, von wem?

Autorität im Spiegel der Geschichte

Die Wurzel des Begriffs Autorität finden wir im Begriff „Auctoritas„, der im römischen Reich für Würde, Ansehen und Einfluss stand. Die Bedeutung von Begriffen verändert sich aber im Laufe der Zeit. Heute verwenden wir z. B. auch den Begriff der „natürlichen Autorität“.  Damit bezeichnen wir aber etwas ganz anderes als das, was wir unter einer „offiziellen Autorität“ verstehen. Ist dieser Unterschied von Bedeutung, und was bringt er zum Ausdruck?
Autoritaet durch Gewalt wirkt immer schwaechendVerfolgt man die Rolle und Entwicklung der Schule in Europa ein paar Jahrzehnte zurück, so treffen wir rasch auf machtpolitische Interessen. Das ist noch gar nicht so lange her. Die Herrscher Europas erkannten, daß disziplinierte Soldaten ein entscheidender Kriegsvorteil waren. Darum sorgten sie dafür, dass Kinder institutionell erzogen wurden. Auf diese Weise konnten kaum führbare „Bauerntölpel“ zu tüchtigen Kriegern geformt werden.
Zucht, Ordnung und Disziplin standen an oberster Stelle, denn schließlich galt es „Kriege zu gewinnen“, das „Vaterland“ oder „Ruhm und Ehre des Königs“ zu verteidigen, und was sonst noch alles.

Formale Autorität

Das Bildungsverständnis war klar zweckorientiert. Kaum jemand interessierte sich damals für das Kinderwohl. Der Einfluss der Autorität wurde im Befehlston aufgebaut und falls nötig mit Stockhieben durchgesetzt. Rang und Ansehen wurden mit Hilfe raffinierter Ornamentik (Abzeichen und Orden) auf steifen Uniformen (Stärke und Haltung) zum Ausdruck gebracht. Man wird dies unschwer als eine typische offizielle Form von Autorität erkennen, die auch heute noch praktiziert wird.

Natuerliche Autoritaet wirkt immer anziehend und staerkendNatürliche Autorität

Im Unterschied dazu steht die natürliche Autorität auf einem vollkommen anderen Grund. Sie muss sich nicht mit äußerer Gewalt durchsetzen und wird dennoch stets als solche anerkannt. Sie entsteht meist ganz von alleine, sobald jemand seinen Charakter zu einem gewissen Grad geläutert hat.
Auch wenn dies heute etwas altbacken klingen mag, hat es nichts von seiner Gültigkeit eingebüßt. Wie man diesem Ziel näher kommen kann, beschreibe ich unter anderem im Kapitel „Die Leichtigkeit des Vorbilds„.

Autorität kann also sowohl auf gewalttätige, wie auch auf edle Weise ausgedrückt werden. In beiden Fällen kommt die Befehlsgewalt zum Tragen. (Der Begriff „Gewalt“ steht in diesem Zusammenhang neutral für „Kraft“) Denn die Autorität sieht sich ja auch immer mit der Aufgabe konfrontiert, auf den Gang der Dinge einzuwirken. Sei es richtungsweisend, Orientierung vermittelnd oder um Ordnung durchzusetzen.

Die Früchte der Saat

Der Autorität steht demnach immer eine Empfängerseite gegenüber. An dieser wird im Ergebnis sichtbar, welche Qualität sich Ausdruck verschafft hatte: die gewalttätige oder die geläuterte.

Schwächende Impulse

Ich stehe nicht alleine da mit meiner Einschätzung, dass gewalttätige Autorität ein Hinweis auf eine charakterliche Schwäche sei. Wenn die verliehene Macht dazu missbraucht wird andere zu erniedrigen, dann interessiert auch die Qualifikation der ihr unterstellten Menschen nur sehr bedingt. Denn diese dürfen ihr keinesfalls gefährlich werden können, z.B. indem sie diese übertreffen. Solche Bedingungen bringen natürlicherweise eine kontinuierliche Schwächung des Systems mit sich.

Aufbauende Kraft

Dem gegenüber bringt eine charakterlich geläuterte Autorität eine wohlwollende, anerkennende, aufbauende und ermutigende Stärke zum Ausdruck. Auch wenn sie genauso streng in Erscheinung treten kann, bleibt sie letztlich immer von Positivität getragen.

Die Anziehungskraft einer geläuterten Autorität beruht vermutlich auf einer uns allen innewohnenden Ahnung dessen, was die Autorität im ihrem besten Sinne sein kann und zu vollbringen vermag, nämlich Klarheit, Struktur, Orientierung und Disziplin vermitteln. Gleichzeitig wird sie immer für Aufrichtigkeit, Gerechtigkeit, Ordnung und Zuverlässigkeit einstehen.

Was das mit Ihnen zu tun hat

Natürlich sind dies zwei Extreme, zwischen denen sich ein breites Spektrum an möglichen Ausprägungen aufspannt. Doch letztlich ist hier nur eines wirklich von Bedeutung, und das ist die Tatsache, daß Sie als Lehrperson kraft des Ihnen verliehenen Amtes eine Autorität sind. Es liegt ganz bei Ihnen zu entscheiden, welcher Qualität Sie in dieser Rolle Ausdruck verleihen wollen.

Wie Sie bestimmt wissen, haben Ihre Worte für die meisten Schüler viel mehr Gewicht als die Worte der Eltern. Selbstverständlich sind damit nicht fachliche Worte gemeint. Es geht viel mehr um die Zwischenkommentare in jeder denkbaren Art und Weise, welche nachhaltig Spuren hinterlassen.
Sie sind eine anerkannte Autorität, und Sie wenden sich entweder an einzelne oder an eine ganze Gruppe von Menschen, die sich in einem idealen Zustand der Beeinflussbarkeit befinden. Damit haben Sie, wie ich bereits in einem früheren Artikel hervorgehoben habe, sehr viel Ähnlichkeit mit der Berufsgruppe der Hypnotiseure.

Das Buch als Starthilfe

Im Buch „PosiTeach – Die Vision des Gelingens“ zeige ich mit einfachen Worten und klar nachvollziehbar auf, warum das so ist, was das bedeutet (sowohl für Sie wie auch für Ihre Schüler), und welche Tragweite diese Tatsache hat. Dieses Buch wird Sie auf konstruktive Weise über ein paar essentielle Fakten und Zusammenhänge in Kenntnis setzen. Damit werden Sie in die Lage versetzt, Ihre Schüler erfolgreich dabei zu begleiten, ihr ganzes Potential zu aktivieren.

In nicht allzu ferner Zukunft wird dies eine der wichtigsten Fähigkeiten sein, die Lehrer entwickeln können.

PosiTeach kennt keine Mitgliedschaft. Allein Ihre Einsicht und Ihr Entschluss entscheiden darüber, ob auch Sie mit dabei sind. Im Buch finden Sie eine solide Entscheidungsgrundlage. Gut informierte, vernünftige, kritische und offene Menschen sind eher bereit, ihr pädagogisches Handeln auf eine neue Stufe zu heben.

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© 2017 by Matthias L. J. Kamber

Ursprünglich gepostet auf: https://positeach.com/zur-autoritaet-der-lehrperson/
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